Studio Beisel ist ein Kollektiv bestehend aus “Grafikern, Webdesignern, Videokünstlern, Autoren, Fotografen, Dramaturgen, Schauspielern, Regisseuren, Bühnenbildnern und Produzenten”. 

Wir erarbeiten zusammen das Theater der realen Fiktionen. Alles was wir tun, tun wir von Anfang an gemeinsam. Unsere Rollen und Identitäten ändern sich permanent. Wer wir sind und woher wir kommen, müssen wir jedes mal neu definieren. 

Aber da ist diese intrinsische Motivation, etwas zu erschaffen. Das darf erst einmal alles sein.

Wir treffen uns und fangen mit einem Element an, auf das wir gerade am meisten Lust haben. Das Licht. Das Plakat. Der Trailer. Die Ausstattung. Es gibt noch keinen Masterplan. 

Ausgehend von diesem Punkt, bauen wir mit allem, was wir haben, eine Welt drumherum auf, die wir beide gerne sehen würden. Jenseits der eigenen Sehgewohnheiten, wollen wir uns gegenseitig überraschen, zum lachen bringen, ein erregendes Moment schaffen und sagen: so etwas haben wir noch nie gewagt. 

Und falls es doch abgenutzt und langweilig wird, müssen wir es eben besser und komplexer gestalten. Es muss weiter gehen als das, was im absurdesten Fall in diesem Kontext zu erwarten wäre. Wir sind skrupellos. Wenn eine Arbeit fertig und rund erscheint, fehlt in der Regel noch die Hälfte: der Turn, also die Rückkopplung der Realität. Wir sperren uns ein und konstruieren Türchen, Wege und Fallen. 

Ein Stück ist kein geschlossener Kreislauf. Es agiert nach Außen und muss die Konsequenzen tragen. Deshalb findet es im Außen statt. Getarnt als Klamottenladen, Fußballkneipe, Mitfahrgelegenheit oder Reinigung. Es darf nicht als das zu entschlüsseln sein, was es ist. Es braucht einen Vorwand, ein glaubhaftes Alibi. Ein Theaterstück kann auch ein Alibi sein, wenn man zum Beispiel eigentlich eine Netflix Serie produzieren will. Oder, wenn damit eine eigene Modereihe etabliert werden soll.  

Aber kann im Theater überhaupt noch etwas echtes passieren? Kann Kunst als Mittel zu einem anderen Zweck genutzt werden? Darf eine Inszenierung das Publikum hintergehen oder instrumentalisieren? Wo sind die Grenzen der Realität und wo fängt Fiktion an?

Theaterwissenschaftliche Fragen treten immer wieder auf und wir suchen mit unserer Arbeit nach Möglichkeiten, damit umzugehen. Ob etwas funktioniert, kann man nicht erahnen und auch nicht planen. Dafür braucht es einen Versuchsaufbau.  

Es begann damit, dass wir einen Keller in Gießen dem Festivalpublikum als Übernachtungspension angeboten haben. Ein kleiner Raum als Theaterstück. Mit Reservierungssystem, Rezeption, einem Doppelbett und einem verlorenen Schlüssel. Vier Nächte lang wurden die Gäste zu unseren Hauptfiguren zwischen Fiktion und Realität. Es ging nie ums abbilden, sondern ums tun. Ein Abend mit fünf Personen kann intensiver und dynamischer sein, als eine Vorstellung vor 800 Personen. 

Unsere Formen sind offen: in sozialen Netzwerken, in Zeitungen, im Stadtraum, auf Festivals, im öffentlichen Nahverkehr, in Unternehmen, Chatrooms, Youtube, in Kunsträumen und Wohnungen. Wie ein kleines trojanisches Pferd mit Größenwahn findet Studio Beisel seinen Weg überall hin —zufällig sogar auf die internationalen Schillertage in Mannheim. 

Und dieser Text ist auch nicht die ganze Wahrheit.