Schönen Abend Studio Beisel,

ich habe mich lange auf ein Interview mit Ihnen gefreut. Wir haben uns vor ein paar Tagen schon mal kurz gesprochen, schön dass wir heute zusammen hier sitzen können. Sie sind so viel unterwegs zur Zeit. 

Studio Beisel: Ja, wir freuen uns auch hier zu sein. Es stand auf der Kippe ob das überhaupt klappt hier mit den Räumen, aber jetzt haben wir sie zum Glück doch bekommen. Hätten wir uns vor 2 Monaten noch nicht erträumt! Wahnsinn! 

Auch größer als gedacht, oder?  Achso, wir können uns gerne Duzen.

Sehr beeindruckend! Ich habe eure letzte Arbeit gesehen. Das hier ist ja erst der Anfang, was habt ihr denn geplant? 

SB: Wir stecken grade noch in der Recherchephase und kamen gestern erst aus Berlin zurück. Dort haben wir eine Kooperation mit einem Start-up Unternehmen angefangen. Die sind neu auf dem Markt und haben bei uns angefragt, ob wir ihnen bei der PR- Kampagne und bei der Raumeröffnung helfen können. Das heißt wir haben ein Logo, die Internetpräsenz und ihren Raum komplett neu aufgebaut. Dafür hatten wir ein paar Wochen lang Einsicht in ihre Strukturen und ihr Forschungsfeld, das uns bisher auch völlig unbekannt war. Das hat unseren Horizont bereichert und uns sehr Spaß gemacht. Faszinierend, woran sie arbeiten und was in Zukunft alles möglich sein wird! Hoffentlich kann sich das auch im Theater widerspiegeln. Das nehmen wir als unsere Aufgabe, vor allem auch bei diesem Projekt.

Ja stimmt. Aber, ist das eure Arbeitsweise? Zuerst die Recherche und danach das ganze auf die Bühne bringen? 

SB: Nein, nicht direkt. Es geht uns hauptsächlich ums Tun, nicht ums Abbilden. 

Das heißt, dass wir dem Publikum nichts vorspielen, sondern es einladen aktiver Teil unserer Inszenierung zu werden. 

Wenn die Leute was sehen wollen, können sie sich gegenseitig zuschauen, beim machen, ansonsten funktioniert das nicht. Wir spielen ihnen nichts vor. Das ist auch ganz pragmatisch gedacht, so können wir uns die vielen Performerinnen und Performer sparen (beide lachen). Wir bauen nur den Rahmen dafür, das haben wir auch in Berlin jetzt gemacht. 

Genau das steht hier auch an, aber wir können noch nicht sagen was es wird. Dafür haben wir auf unserer Internetseite einen Blog eingerichtet, das heißt “Labor”.  Das ist unser Denkraum, für die nächste Arbeit. Wenn ich drauf gehe, sind da Bilder, Videos  und Musik die uns gerade interessieren wild gemischt. So kommunizieren wir hauptsächlich miteinander, übers Handy. Wir nutzen es als Regiebuch, anstatt Stücktexte zu lesen. 

Ja, das hab ich schon gesehen, da sind allerlei Skurrilitäten dabei und für einen Außenstehenden schwierig zu verstehen. Aber jetzt mal ehrlich: Wie entstehen die Projekte dann genau? 

SB: Das kann man am besten an Beispielen erklären. Einer von uns spielt mit der Kamera und fotografiert Autos oder Hunde oder Menschen auf der Straße und das ganze folgt einem simplen Lustprinzip. Es passiert dann immer, dass man sich gegenseitig ansteckt und anfängt, das ganze zu perfektionieren, bis irgendwann ein Bild entsteht, von dem wir beide so überzeugt sind, dass wir sagen: das ist das Plakat für unser nächstes Stück. Und dann bauen wir eine Welt um dieses Bild auf, in die das Publikum eintauchen kann. Es muss aber auch kein Bild sein, es kann auch die Lust an einem Fetisch sein, die unbedingt ausgelebt werden muss und die einen Raum braucht. So hat Studio Beisel angefangen. Mittlerweile sneaken wir uns da in alle Bereiche ein, das ist auch teilweise völlig abstrakt und geht von einem besonderen Geruch oder einer Lichtstimmung aus, die als Grundlage dient. 

Ich verstehe jetzt was ihr damit meint, dass es euch ums Tun geht. Aber was macht euch zu Theatermachern, wenn ihr lediglich eure eigenen Interessen verfolgt? 

SB: Ja, das wissen wir auch nicht, sag du es uns! (Alle lachen)

Wir verfolgen keine Absichten, explizit Theater zu machen, es kommen nur zufälligerweise immer Stücke dabei raus. Wir zeigen es auch nicht in Theatern und unser Berufsbild entspricht auch nicht dem, der klassischen Theaterregie. Aber du hast völlig Recht, das Interesse steht immer im Vordergrund und wenn wir beide unmotiviert sind, einen Programmhefttext zu verfassen, dann ist das für uns der falsche Weg und wir nehmen eine Abkürzung. 

Es passiert schnell, dass man sich dann zusammen in etwas reinsteigert und anfängt, alle Elemente einer Produktion zu eigenständigen Werken zu deklarieren und denen auch einen Wert zu geben. Man muss sich die Arbeit selbst und den Gästen auch irgendwie schmackhaft machen, das ist unsere Art damit umzugehen: ein Gruß aus der Küche ans Publikum. Im übrigen auch so ein Interviewformat wie jetzt muss man als Teil des Stücks betrachten. Es wäre sonst zu schade drum, nicht wahr?

Hat mich gefreut, euch behilflich zu sein. Eine letzte Fragen habe ich noch: Habt ihr nach dem aktuellen Projekt schon etwas in Aussicht?  Oder schaut ihr erst mal, wie das hier ankommt?

SB: Witzig das du fragst, ja wir planen da was. Es ist noch nicht spruchreif aber es wird sich um klassische Komposition drehen, oder vielmehr um ein Bild, das sich bei uns davon entwickelt hat. Oder noch entwickeln wird, naja vielleicht wird es auch ganz digital, das wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall entdecken wir da gerade in ganz kurzer Zeit ganz viel, das uns interessiert und wenn das der Fall ist wissen wir mittlerweile schon, dass wir dazu weiter arbeiten werden. Das geht dann auch gar nicht mehr anders. 

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